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Religion und Kultur in Israel und Palästina

Am Morgengrauen des 31. Januar 2020 brachen wir – fünfzehn Schüler und Schülerinnen sowie zwei Lehrpersonen – im Rahmen der Variowoche auf, um unsere Reise in den Nahen Osten anzutreten und uns vor Ort mit dem Thema «Religion und Kultur in Israel und Palästina» auseinanderzusetzen. Am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv erwarteten uns die Reiseleiterin Rachel und der Buschauffeur Ali, eine Jüdin und ein Muslim aus Israel.

Im kleinen Land Israel, das halb so gross ist wie die Schweiz und etwa 9 Mio. Einwohner und Einwohnerinnen aufweist, reisten wir entlang des Mittelmeeres ins nördlich gelegene Galiläa. Dort besuchten wir die Hauptwirkungsorte Jesu wie Kafarnaum am Nordufer des Sees Genezareth. An der Jordanquelle in Banjas brachen wir wie die Israelis in entzückten Jubel aus ob des vielen Wassers und der erstaunlich grünen Landschaft. Wir kamen bis zur libanesischen und syrischen Grenze, die so gesichert ist, dass sie nicht passiert werden kann. Sogar in der Judäischen Wüste umgaben uns grüne Hügelzüge, als wir zum tiefsten Punkt der Erde gelangten, zu dem 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Toten Meer. Unweit vom Salzmeer liegt Masada, das wir erkletterten, um einen der Paläste Herodes des Grossen und die Weite der Wüste zu bestaunen. Unsere Weiterreise führte uns über Jerusalem in die palästinensischen Autonomiegebiete von Jericho und Bethlehem, wo wir in Schulen freundlich empfangen wurden.

So führte uns unsere Reise zu heiligen und unheiligen Orten sowie archäologischen Ausgrabungsstätten und in moderne, aufstrebende Metropolen. Wir sahen heruntergekommene Hütten und Häuser sowie architektonisch hochstehende, schöne Bauten.

Doch das Wichtigste: In diesem kleinen Land, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, begegneten wir Menschen unterschiedlicher Religionen, die alle in die Knesset, ins Parlament, gewählt werden können. Unsere jüdische Reiseleiterin führte uns ins Judentum ein, die älteste noch gelebte Religion dieser Gegend. Wir erfuhren, dass die Torah, der erste Teil des Alten Testaments, das Leben und Arbeiten in Israel so sehr prägt, dass beispielsweise am Shabbat, dem jüdischen Ruhetag, der neu in Betrieb genommene öffentliche Hochgeschwindigkeitszug von Jerusalem nach Tel Aviv stillsteht – dies in dem Land, das weltweit am meisten Patente anmeldet. Scheinbar sind diejenigen, die am Shabbat ruhen, erfinderischer als andere, die sich keinen wöchentlichen Ruhetag gönnen. In einem Kibbuz, einer ländlichen Kollektivsiedlung, an der Grenze zum Libanon lernten wir den säkularen Juden Daniel kennen. Für den ausgewanderten Schweizer und seine Dorfgemeinschaft ist es eine Frage des Überlebens, dass die israelische Armee sie gegen die Raketen der Hisbollah schützt, auch an einem Shabbat.

Zu Gast waren wir auch bei aramäischen Christen, einer sehr kleinen Minderheit, die aus den umliegenden Ländern fliehen musste. Junge Aramäer erzählten begeistert davon, wie sie im arabischen Umfeld ihre aramäische Kultur wieder pflegen können. Es berührte uns, wie sie das Vaterunser auf Aramäisch, der Sprache Jesu, beteten. An den Orten, wo Jesus gewirkt hat, beispielsweise am See Genezareth und in Jerusalem, setzten sich unsere Schüler und Schülerinnen kritisch damit auseinander, dass die Evangelien des Neuen Testaments den Anspruch erheben, Geschichte zu schreiben und nicht nur Geschichten, wie dies die heutigen Fantasy-Romane sind.

Herzlich empfangen wurden wir auch bei den Beduinen in Galiläa, insbesondere bei der Familie des Buschauffeurs Ali. Der dortige Imam zeigte uns in der Moschee, wie Muslime beten und beantwortete mit Geduld unsere zahlreichen Fragen. Wir hatten auch Zutritt zum drittwichtigsten Heiligtum der Muslime, dem haram al sharif in Jerusalem, besser bekannt unter dem jüdischen Namen Tempelberg. In dessen Mitte steht der eindrückliche Felsendom, zu dem uns als nicht-muslimischen Reisegruppe der Eintritt allerdings verwehrt war. Viele Diskussionen sind noch zu führen, viele Fragen zu klären. Die Schüler und Schülerinnen hoffen nichtsdestotrotz, kompetenter mitdiskutieren und mitgestalten zu können, was das Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen in der Schweiz betrifft.

Christine Stuber



Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Rachel Salquin)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Christine Stuber)
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Aufgeschaltet am 27. Februar 2020
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Religion und Kultur in Israel und Palästina (Foto: Rachel Salquin)
Fotos: Christine Stuber